Familie von Lucas

Unsere Erfahrung mit CIMT

Lucas ist mittlerweile 16 Monate alt. Er erlitt vorgeburtlich einen Schlaganfall, der eine rechtsseitige Hemiparese zur Folge hatte. Wie viele betroffene Kinder kennt er die Situation nicht anders und ist schnell recht flink mit seiner dominanten linken Seite geworden. Insbesondere sein betroffener rechter Arm und seine rechte Hand wurden bislang konsequent ignoriert.

Während eines Reha Aufenthaltes in der Schön Klinik Vogtareuth kam Lucas im Rahmen der Ergotherapie erstmals mit Baby-CIMT (einer kindgerechten Variante der Constraint Induced Movement Therapy) in Berührung. Die Therapieform kannten wir zuvor nicht und waren sofort begeistert. Leider fallen auch wir in Deutschland nach hervorragenden intensiven Reha-Aufenthalten zu Hause wieder in ein „Loch“ der im Schnitt 1x/Woche erfolgenden Egotherapie. Selbst das ist in regelmäßiger Form nicht selbstverständlich. Auch uns gegenüber fielen zunähst mehrfach Aussagen wie „Ach, Ergotherapie – das macht man eigentlich frühestens ab einem Jahr (…).“

Über Stephanie Schmid und den Early Intervention Verein erfuhren wir von der Möglichkeit, CIMT in Manchestester/UK als Intensivtherapie über einen Zeitraum von mehreren Wochen durchzuführen und sind über die Kontaktvermittlung bis heute außerordentlich dankbar. Nach einem erfolgreichen Assessment, mittels welchem geprüft wird, ob das Kind grundsätzlich für diese Art der Therapie geeignet ist, verbrachten wir vier Wochen in England. Anfängliche Bedenken, inbesondere hinsichtlich der Akzeptanz des Gipstragens, oder der Frage, ob Lucas während der Zeit möglicherweise grobmotorisch zu sehr eingeschränkt sei, lösten sich schnell. Rückblickend hatten wir eine wunderbare Zeit dort und Lucas erhielt nach unserem Empfinden die in seiner Situation zu diesem Zeitpunkt bestmögliche Therapie. Zwei Therapeuten arbeiteten zwei Stunden/Tag non-stop mit ihm. Auch Pausenzeiten wurden aktiv in ganzkörperlicher Bewegung oder beim Essen (unterstütztes „self-feeding“) genutzt. Die ausschließlich spielbasierte Therapie hat Lucas viel Spaß gemacht. Und für mich als Mama war es wunderschön zu sehen, was er mit seiner betroffenen rechten Seite letztlich doch zu leisten im Stande ist, sofern der Fokus entsprechend gesetzt ist. So konnte Lucas sowohl große Arm-, als auch feinmotorische Hand-, und Greifbewegungen ausüben, ich wir so zuvor noch nie bei ihm gesehen bzw. für möglich gehalten hatten.

Auch wenn im Alltag zu Hause selbstverständlich wieder Lucas dominante like Seite „übernommen“ hat, glauben wir, dass angesichts der Zeitdauer und Intensität der Therapie doch ein gewisses Bewusstsein für seine betroffene Körperhälfte geschaffen und die ein oder andere neue Verbindung im Gehirn geknüpft werden konnte.

Stefanie Grosche-Radina